Arbeitsschutz: UV-Strahlung bei Arbeiten im Freien

Arbeitsschutz: UV-Strahlung bei Arbeiten im Freien

June 22, 2020

 

 

Am 20. Juni 2020 exakt um 23.43 Uhr (MESZ) beginnt hierzulande der kalendarische Sommer. Es ist der Zeitpunkt der sogenannten Sommersonnenwende. In diesem Moment steht die Sonne über dem nördlichen Wendekreis und erreicht damit ihren höchsten mittäglichen Stand.

 

Die Belastungen durch Hitze und UV-Strahlung bei Arbeiten im Freien können die Gesundheit schädigen. Grundsätzlich gilt: Ist der Schatten kleiner als die Körpergröße, ist die UV-Strahlung sehr hoch und arbeiten im Freien ohne Sonnenschutz gefährlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I. Arbeitsschutz

Eine gesetzliche Regelung, die konkrete Anforderungen an die Temperaturen am Arbeitsplatz benennt, gibt es nicht. Allerdings muss der Arbeitgeber gewährleisten, dass der Arbeitsplatz für den Arbeitnehmer kein gesundheitliches Risiko darstellt (§ 618 BGB, § 3a ArbStättV) und die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes eingehalten werden (§ 3 Abs. 1 Satz 1 ArbSchG). Neben der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättVO), die kaum inhaltliche Ratschläge enthält, gibt es die Technische Regel A3.5 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und als Besonderheit für das Baugewerbe die Baustellenverordnung (BaustellV) als Ergänzung des Arbeitsschutzgesetzes.

 

In Betrieben mit Betriebsrat besteht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG (Gefährdungsanalyse) ein Mitbestimmungs- und Initiativrecht über Regelungen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie zum Gesundheitsschutz. Der Betriebsrat kann daher bei einer "Affenhitze" initiativ darauf hinwirken, dass der Arbeitgeber mit ihm eine Betriebsvereinbarung abschließt.

 

Welche Maßnahmen zum Arbeitsschutz bei Hitze geeignet sind, hat der Arbeitgeber grundsätzlich über eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln. In Betracht kommen:

 

  • Anpassung der Arbeits- und Pausenzeiten (Arbeiten am frühen Morgen / am späten Abend, mehrere Kurzpausen)

  • Vorkehrungen zum Sonnenschutz (Sonnensegel spannen, Sonnenbrillen, Kopfbedeckungen und Sonnencremes anbieten)

  • Bereitstellen von kostenlosem Wasser

  • Begrenzung von schweren Arbeiten auf ein Minimum

  • Keine Überstunden

  • Mitarbeiter regelmäßig informieren und Gesundheitszustand kontrollieren 

 

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten außerdem über Notfallmaßnahmen Bescheid wissen, wenn ein Kollege Anzeichen von Hitzeerkrankungen (Schwäche, Übelkeit, Schwindel, heiße trockene rote Haut, taumelnder Gang, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit) zeigt. Denn dann muss sofort reagiert werden, indem die betroffene Person umgehend in den Schatten gebracht wird. Bewusstlose sind in die stabile Seitenlage zu legen, der Kopf ist leicht erhöht zu lagern und mit feuchten Tüchern zu kühlen. Es gilt, schnellstmöglich den Rettungsdienst unter 112 zu alarmieren. Bei Atemstillstand müssen umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden. (Quelle: https://www.ikk-classic.de/gesund-machen/arbeiten/hitze-am-arbeitsplatz)

 

Die DGUV bietet hierzu ein Infoblatt „Anleitung zur ersten Hilfe“ sowie bestellbare Plakate an.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zur Vorsorge vor Hitzeschäden mindestens eineinhalb bis zwei Liter am Tag zu trinken. Wenn die Temperaturen über 30 Grad ansteigen und trotz Hitze körperlich gearbeitet wird, erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf und es sollte mindestens die doppelte Menge getrunken werden. Denn beim Schwitzen wird viel Flüssigkeit über die Haut abgesondert, was zu einer drohenden Austrocknung und Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwächegefühl führen kann. Am besten eignet sich Mineralwasser, da dieses Magnesium, Kalium und Natrium enthält, die der Mensch beim Schwitzen ausscheidet.

Isotonische Getränke (bspw. Apfelschorle, alkoholfreies Bier) helfen außerdem, bei extremer Hitze das benötigte Wasser im Körper zu speichern.

 

Die IKK Classic empfiehlt eine Reihe von Lebensmitteln für den Sommer, die von innen her kühlen:

  • Gurken

  • Wassermelonen

  • Pfefferminze

  • Tomaten

  • Salat

  • Spinat

  • Joghurt

 

II. Berufskrankheit

Heute ist die Wissenschaft davon überzeugt, dass bestimmte Hautkrebserkrankungen durch langjährige UV-Strahlung der Sonne auch "arbeitsbedingt" verursacht werden können. Vor diesem Hintergrund wurde seitens des BMAS mit Wirkung vom 01.01.2015 eine neue Berufskrankheit in die sog. Berufskrankheitenliste aufgenommen. Hiernach können multiple "aktinische Keratosen" -Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms-, sowie das Plattenepithelkarzinom selbst als Berufskrankheit der Nummer 5103 anerkannt werden.

 

Bei auffälligen Hautveränderungen empfiehlt sich, sofort den Arzt aufzusuchen. Diagnostiziert der Arzt eine Hautkrebserkrankung iSd Nr. 5103 und besteht der Verdacht, dass diese arbeitsbedingt verursacht ist, meldet der Arzt die Erkrankung mit der sog. Berufskrankheitenanzeige (Vordruck F6000) an den zuständigen Unfallversicherungsträger.

 

 

 

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