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Arbeitszeugnisse
Zeugnisse
Der Arbeitnehmer (kurz: AN) hat immer dann Anspruch auf die Erteilung eines Zeugnisses, wenn er dieses zu seinem beruflichen Fortkommen benötigt. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der AN kann darüber hinaus verlangen, dass sich die Angaben auch auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken, § 109 GewO.
 
Je nach Anlass ergeben sich unterschiedliche Verpflichtungen des Arbeitgebers:
Zwischenzeugnis
Anspruch auf ein Zwischenzeugnis besteht, wenn es dem beruflichen Fortkommen des AN dient und ein besonderer Anlass vorliegt. Dies ist z. B. der Fall, wenn
- die Probezeit endet
- eine Versetzung bevorsteht
- der Vorgesetzte wechselt
- der Arbeitnehmer sich anderweitig bewerben will
- sich das Unternehmensgefüge wesentlich ändert, etwa bei einem Betriebsübergang
- die Beendigung des Arbeitsverhältnisses droht.
Schlusszeugnis
Nach dem Wortlaut des § 109 Abs. 1 GewO haben alle AN Anspruch auf Erteilung eines schriftlichen Endzeugnisses "bei" Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Verlangt der AN ein qualifiziertes Zeugnis, hat der AG neben Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit auch die für die Beschäftigung maßgebenden Charaktereigenschaften und Persönlichkeitszüge zusammenfassend darzustellen. Ferner muss er die Art und Weise, in der der AN die ihm übertragenen Aufgaben erledigt hat, angeben. Der Inhalt des Zeugnisses muss vollständig und genau, insbesondere wahr sein (Grundsatz der Zeugniswahrheit). Das Zeugnis muss von einem verständigen Wohlwollen gegenüber dem AN getragen sein, welches sein weiteres berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert. Daneben darf das Zeugnis gemäß § 109 Abs. 2 GewO keine Merkmale enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den AN zu treffen (Grundsatz der Zeugnisklarheit - BAG, 15.11.2011, Az.: 9 AZR 386/10). So darf zum Beispiel kein außergewöhnliches Papier oder eine ungewöhnliche Schriftart verwendet werden. Unzulässig sind auch Unterstreichungen oder potentiell doppeldeutige Hervorhebungen.
Einzelheiten
Krankheiten sind in einem Zeugnis nur zu erwähnen, wenn sie die Leistung des ANs, inhaltlich und zeitlich, erheblich beeinträchtigt haben. Eine zeitliche Beeinträchtigung liegt erst vor, wenn durch die Krankheit mehr als die Hälfte der Arbeitszeit ausgefallen ist.
Strafverfahren und Straftaten während der Arbeitszeit dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie auf sicherer Beweisgrundlage beruhen und für die Gesamtbewertung zwingend relevant sind. Die Erwähnung von Vorstrafen ist selbst dann nicht zulässig, wenn sie im Ergebnis zur Entlassung geführt haben.
Der AN hat keinen Anspruch auf eine Schlussformel, wie z. B. "Wir bedauern das Ausscheiden des Herrn X, bedanken uns für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für den weiteren Berufsweg alles Gute." (BAG, 11.12.2012, Az.: 9 AZR 227/11).
 
gerichtliche Geltendmachung
Klagt ein AN auf Berichtigung eines Arbeitszeugnisses, so muss er im Klageantrag angeben, welche Formulierungen wie korrigiert werden sollen. Beansprucht der AN im Prozess eine bessere Beurteilung als "befriedigend" (= Note 3), hat er die entsprechenden Leistungen vorzutragen und gegebenenfalls zu beweisen (BAG, Urt. v. 18.11.2014, Az.: 9 AZR 584/13). Enthält das angefochtene Zeugnis jedoch nur eine ausreichende (= Note 4) oder noch schlechtere Bewertung, trägt der AG hierfür die Darlegungs- und Beweislast.
Zeugniscode
Basierend auf den Geboten der Zeugniswahrheit  und Zeugnisklarheit und der sich hieraus entwickelten Kasuistik, haben sich eine Unmenge an Zeugnisformulierungen herausgebildet, deren „Entschlüsselung“ zahlreiche Fachbücher füllt. Aufgrund der Unübersichtlichkeit der Thematik werden nachstehend lediglich die gebräuchlichen Formulierungen für die zusammenfassende Leistungsbeurteilung (= Zufriedenheitsformel) vorgestellt:
sehr gute Leistungen (Note 1)
"....stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt", 
" wir waren stets mit ihren Leistungen außerordentlich zufrieden"
" seine Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere volle Anerkennung gefunden"
" Sie hat unsere Erwartungen immer und in allerbester Weise erfüllt"
"seine Aufgaben erledigte er stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit" oder
" seine Leistungen waren stets sehr gut"
gute Leistungen (Note 2)
"..... stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt"
" seine Leistungen waren stets voll und ganz zufrieden stellend"
" Sie hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen"
" seine Aufgaben erledigte er stets mit großer Sorgfalt und Genauigkeit" oder
" ihre Leistungen waren gut"
befriedigende Leistungen (Note 3)
".... zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt"
" seine Leistungen waren stets zufriedenstellend"
" seine Aufgaben erledigte er stets mit Sorgfalt und Genauigkeit" oder
"Sie hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen"
ausreichende Leistungen (Note 4)
"... zu unserer Zufriedenheit erledigt"
" seine Leistungen waren zufriedenstellend"
" er hat unseren Erwartungen entsprochen"
" mit seinen Leistungen waren wir zufrieden" 
" seine Aufgaben erledigte er mit Sorgfalt und Genauigkeit" oder
"er hat zufriedenstellend gearbeitet"
mangelhafte Leistungen (Note 5)
".... im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt"
" Sie hat unsere Erwartungen größtenteils erfüllt"
" er führte die ihm übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse durch"
" er machte sich mit großem Eifer an die ihm übertragenen Aufgaben"
unzureichende Leistungen (Note 6)
"...zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht"
" Sie bemühte sich, die ihr übertragenen Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen"
"neue Aufgaben betrachtete er als Herausforderung"